FRAU HOLLE – Reklamemarken 1

Kulturgeschichte

Frau Holle

Wenn es schneit, dann schüttelt Frau Holle ihre Betten aus. Diese Redewendung geht auf eines der bekanntesten Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm zurück. Viele von uns kennen Frau Holle als das alte Mütterchen mit den langen Zähnen, welche die guten Kinder mit Gold belohnt und die faulen Kinder mit Pech straft.

Hinter der Figur steckt jedoch viel mehr, als wir heute noch erinnern. Neben dem bekannten Märchen von Goldmarie und Pechmarie existieren viele weitere Sagen, Mythen und Volksbräuche auf der Figur, die vermutlich auf eine in vorchristlichen Zeiten verehrte Muttergöttin zurückzuführen ist.

Unter Namen wie Holda, Holla, Hulda, Berchta, Perchtl, Goden, Frikk und vielen mehr ist sie in ganz Europa bekannt und im Ursprung mehr oder weniger auch mit der nordischen Frigga, der Gemahlin des Odin, identisch. Sie war als Kulturstifterin geehrt und als Teilnehmerin der Wilden Jagd gefürchtet. Die Verehrungsstätten der Frau Holle finden sich vor allem im alten Siedlungsgebiet der Chatten in Hessen und Thüringen. Reformator Martin Luther waren die heidnischen Bräuche der Landbevölkerung, die sich um die Holleverehrung drehten ein derartiger Dorn im Auge, dass er sie mir einem Vegetationsdämon gleichsetzte. Ihm haben wir es zu verdanken, dass heute nicht mehr die Holle in ihren vielen Inkarnationen unsere Weihnachtsgeschenke bringt sondern je nach Region der Weihnachtsmann oder das Christkind.

Im Umbruch vom 19. zum 20. Jahrhundert waren weltweit Reklamemarken (engl. „Poster Stamps“) als Sammel- und Tauschobjekte sehr beliebt. Durch diese Frühform der Werbung gelang es Firmen, zusätzliche emotionale Kontaktpunkte mit ihren Kunden zu schaffen. Die Miniatur-Werbemotive beinhalteten dabei zunächst noch keine Werbebotschaften, sondern gefällige Motive, die zum Aufheben und Sammeln anregten. Auch Märchen wie “Frau Holle” gehörten zu den gerne gewählten Themengruppen der Werbemarken. Dabei gab es sowohl Märchen-Reklamemarken mit Motiven verschiedener Märchen als auch Serien, die mehrere Szenen aus einem Märchen darstellten.

Frau Holle Märchen-Reklamemarken

Die Serie 15 der Reklamemarken der Dampfbäckerei Otto Kloss widmet sich ganz dem Märchen Frau Holle. Es ist die einzige Reklamemarkenserie, die mehrere Motive des Märchens aufgreift und die komplette Handlung nacherzählt. Leider ist jedoch nur die zweite von fünf Marken noch im Umlauf, weshalb eine Betrachtung der anderen vier Motive entfallen muss.

Bild 2 – Goldmarie schüttelt den Baum

Die zweite Marke aus der Serie “Frau Holle” zeigt die fleißige Tochter (bei Grimm namenlos, im Volksmund auch nach Bechstein “Goldmarie”) beim schütteln des Apfelbaumes. Beim Spinnen ist dem Mädchen die Spindel in den Brunnen gefallen, um sie wieder heraufzuholen musste sie in den Brunnen hinab in das Hollenreich steigen, wo sie Brötchen aus dem Ofen zog, einen Baum schüttelte und Frau Holle die Betten machte, damit es schneit in der Welt. Dafür wurde sie am Ende mit Gold belohnt. Die Szene der Marke zeigt sie nun bei dieser zweiten Prüfung. Die Marie trägt ein langes rotes Kleid und hat blonde Haare und weiße Halbschuhe. Sie ist nur von hinten zu sehen, wie sie nach einem Ast greift. Vom grünen Apfelbaum aber fallen die goldgelben Äpfel auf sie herab und landen auf der immergrünen Wiese. Unter dem Motivbild steht ein Zitat aus Grimms Märchen:

“Ach schüttle mich, ach schüttle mich
wir Äpfel sind alle miteinander reif!”

Es ist sehr gut möglich, dass die anderen Bilder die Goldmarie mit Bezug zum Brunnen oder zum Ofen zeigen, dass sie die Betten ausschüttelt, bis es schneit, sie unter dem Goldtor entlohnt wird, und dass die Parallelgeschichte der faulen Tochter ebenfalls in den Marken erzählt wurde. Wie bei Otto Kloss üblich, sind die Motive mit einem schwarzen Kasten umrahmt. Außerhalb davon steht “Dampfbäckerei Otto Kloss” (oben), “Größte, modernste Bäckerei” (rechts), “300 Fillialen” (links). Unterhalb des Bildes steht “Serie 15 – Frau Holle – Bild” und die Bildnummer.

Keine der bekannten Serien von Otto Kloss weist eine Nummerierung größer 5 auf, weshalb davon auszugehen ist, dass auch diese Markenserie genau fünf Motive hatte. “Frau Holle” ist dabei bereits die Serie 15 der großen Dampfbäckereikette gewesen. Auch die Serien 5 (Rotkäppchen), 8 (Hänsel und Gretel), 9 (Schneewittchen), 16 (Däumling) und 17 (Hans im Glück) sowie eventuell weitere (nicht erhalten gebliebene) Serien zeigen Märchen als szenische Abfolge. Von den mindestens 40 Serien sind viele leider heute nicht mehr erhalten und auch innerhalb der Serien sind die wenigsten noch vollständig.

https://www.collectionheroes.de/frau-holle/reklamemarken-otto-kloss-baeckerei/

Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

4 Kommentare zu „FRAU HOLLE – Reklamemarken 1

  1. wie wurden diese Marken verwendet und erworben? Als Tauschobjekte? In Sammelalben geklebt oder gesteckt? In der Bäckerei erworben? Geschenkt für den Einkauf oder bezahlt?

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    1. Da ich bei meiner Recherche auf keine Antwort gestoßen bin, bis auf, daß Reklamemarken in dieser Zeit (ab circa 1912) von vielen „Firmen“ auf den Markt gebracht wurden. Sie wurden ähnlich wie Briefmarken aufbewahrt. Das schließe ich aus den Sammlungen, die heute noch verkauft werden. Ich gehe davon aus, rückführend aus meiner Kindheit, beim Einkauf hat man Marken für das Kind oder den interessierten Erwachsenen bekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß man dafür bezahlen mußte. Es kann sein, daß sie eine Klebschicht hatten. Ich schicke dir ein Foto …

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