Begegnungen mit Menschen

Prosa

Ich gehe spazieren. Es es ist früh morgens und es sind noch nicht viele Menschen unterwegs. Der Himmel ist, bis auf ein paar untergemischte Wölkchen, in einem wunderbaren Blau gekleidet. Und die Luft mit viel Sauerstoff angereichert. Ich atme tief ein und aus. Mein Feld führt über Gehwege in Richtung Schrebergärten. Der erste Mensch begegnet mir. Er hat keine Maske auf. Ich schaue ihn und erreiche ihn nicht mit meinem Blick. Wie es ihm geht, kann ich nicht erkennen. Er scheint abwesend zu sein. Mir fällt wieder ein, ich wollte doch die Menschen, die meinen Weg kreuzen, begrüßen !

Eine Minute später begegnet mir ein ältere Frau und ich wende mich ihr zu, spreche sie mit einem strahlenden „Guten Morgen !“ an. Das zuvor verschlossene Gesicht geht in Millisekunden auf, als wenn ein Schalter umgelegt wurde und sie lächelt mich an. Sie grüßt nicht nur zurück, sondern sie wünscht mir auch „Frohe Ostern !“ Ein freudiges Gefühl erfasst mich und die Gewissheit, da steckt noch ein fühlender Mensch dahinter, der im Kontakt mit seinesgleichen steht. Und er zeigt über die Mimik und seine Reaktion, daß er sich über eine solch spontane Ansprache freut.

Nun bin ich den Schrebergärten ein Stückchen näher. Ein jüngerer Mann, mit Maske, kommt mir entgegen. Ich sammle den Mut in mir zu einer sich im Bauch wirbelnden Energiekugel. Und begrüße auch ihn auf die gleiche Weise. Ein bischen überrascht erwidert er den Gute-Morgen-Gruß mit einem „Hallo !“ und ich freue mich. Und eine Stimme in mir sagt, mach weiter so.

Kurz danach überschreitet ein Mann gleichzeitig mit mir eine Straße. Er kommt mir entgegen. Und diesmal überrascht er mich. Ohne mich anzuschauen, spricht er Worte des Grußes aus. Da schlummert noch eine Erinnerung der Kultur in ihm, plötzlich begegnenden Menschen einen Weggruß zu zollen.

Nun am Wegbeginn der Schrebergärten angekommen, grüße ich die Natur. Nehme die Sträucher, die Bäume und die Blumen wahr. Schaue sie intensiv an und grüße auch sie. Erfreue mich an ihr. Segne sie, lebe die alte Tradition will mit meinem „Segnen“ nichts Bestimmtes erreichen. Sondern gebe der Natur einfach eine positive Energie als meinen Segen mit.

Auf dem Rückweg, ein wenig in mir versunken, weckt mich ein Gruß aus meinem tief-in-mir-versunkenen-Zustand auf. Ein Mann, seines Weges schauend, läuft vorüber. Ich nehme keinen Blick auf meinem Gesicht wahr. Aber er hat mich wahrgenommen und ist nicht wortlos an mir vorbei gegangen. Wie schön !

So schließe ich diese Runde, des Wahrnehmens und Wahrgenommen werdens, des Grüßens und Begrüßt werden, mit einer letzten Begrüßung ab. Die direkt von Gesicht zu Gesicht, mit einem Lächeln angenommen wird. Beschwingt laufe ich zu meiner Wohnung und freue mich auf mein Frühstück auf dem Balkon.

Schreiberling: Elli

Bildquelle: Pinterest

Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

5 Kommentare zu „Begegnungen mit Menschen

  1. Sehr schön! ❤
    Und genau, nicht nur die Menschen soll man grüßen, sondern auch die Natur. Ich mache das auch oft. Vor allem, wenn mich im Vorübergehen der Ast eines Baumes oder ein Strauch berührt/streift, drehe ich mich zu ihm um und sende ihm einen Gruß aus meinen Gedanken.
    Liebe Grüße
    Jacqueline

    Gefällt 2 Personen

  2. Das ist schön, was du hier schreibst, liebe Elli… und besonders in einer Großstadt noch nicht üblich, dass sich die Menschen, denen man/frau auf der Straße begegnet grüßen… Wie schön, dass du solche Erfahrungen machen konntest…

    Bei uns – in einem recht kleinen Ort mit knapp 1600 Einwohnern – ist das bereits „Normalität“ sage ich mal… jeder hat für den Anderen ein freundliches Wort… mal bleiben wir für einen kleinen Plausch stehen… mal ist es einfach ein fröhliches Hallo, was einander mit auf den Weg gegeben wird… es gibt gerade in dieser Zeit auch viele mitfühlende Gespräche… oder ein stiller Segen, den ich für die/den Betroffenen mit auf den Weg gebe…

    Es ist hier bei uns eher verwunderlich und eine Seltenheit, wird ein Gruß nicht erwidert… meist sind dies Menschen, die erst kürzlich hier her in diese Gegend gezogen sind…

    Ich glaube, liebe Elli, auch diese Menschen werden bald ihre Herzen füreinander wieder öffnen können…

    Hab einen schönen Tag, du LIEBE…

    Herzlich(t)e Grüße
    Elke

    Gefällt 1 Person

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