Der Turmbau zu Babel

Kultur der Hinterfragung

An welchen „Gott“ glaubt ihr ? An den rachsüchtigen Gott, der das Volk bestraft, weil es seine Regeln nicht beachtet hat bzw. es nicht möchte, daß der Mensch sich mit ihm gleichstellt. Der überzeugt ist, daß das Trachten des Menschen von Jugend an böse ist ? Von welchem „Wesen“ wird hier berichtet, von dem man erzählt, daß es Gott wäre ?

Oder an den liebenden „Gott“ (göttliche Urquelle, …) ? Der seinen „Kindern“ Fehler vergibt, ohne daß eine Person dazwischen geschaltet werden muß. Der möchte, daß seine Kinder ihr innewohnendes Potential entwickeln und in ihre persönliche Kraft kommen und selbst zu Schöpfer werden. Und der sich wünscht, daß eine Rückbesinnung stattfindet: Daß der Mensch wieder eins wird, mit der Natur, den Tieren und achtsam mit allem umgeht. Und die Erde zu einem blühenden Paradies verwandelt.

Der Turmbau zu Babel und die sich daran anschließende babylonische Sprachverwirrung ist eine der bekanntesten Erzählungen des Alten Testaments.

„1 Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache.

2 Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst.

3 Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel

4 und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder.

5 Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten.

6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.

7 Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!

8 So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen.

9 Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.“

– Altes Testament: Gen 11,1-9 LUT

Der Turmbau zu Babel (Gen 11,1–9 EU) ist zusammen mit der babylonischen Sprachverwirrung trotz ihres geringen Umfangs von nur neun Versen eine der bekanntesten biblischen Erzählungen des Alten Testaments.

Dort wird das Turmbau-Vorhaben als Versuch der Menschheit gewertet, Gott gleichzukommen. Wegen dieser Selbstüberhebung straft Gott die Völker, die zuvor eine gemeinsame Sprache hatten, mit Sprachverwirrung und zerstreut sie über die ganze Erde.

Die biblische Erzählung

Meister der Weltenchronik

Die Bibel erzählt von einem Volk aus dem Osten, das die eine (heilige) Sprache spricht und sich in der Ebene in einem Land namens Schinar ansiedelt. Dort will es eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel bauen. Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten. Nun befürchtet er, dass ihnen nichts mehr unerreichbar sein [wird], was sie sich auch vornehmen, das heißt, dass das Volk übermütig werden könnte und vor nichts zurückschreckt, was ihm in den Sinn kommt. Gott verwirrt ihre Sprache und vertreibt sie über die ganze Erde. Die Weiterarbeit am Turm endet gezwungenermaßen.

Die Sprachverwirrung

Meister der Weltenchronik. Wittenberg-Bibel 1586

https://www.evolution-mensch.de/Anthropologie/Turmbau_zu_Babel

Theologische Deutung

Der Turmbau zu Babel nach Lucas van Valckenborch

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht im Alten Testament zeitlich nach der Sintflut und vor der Reise Abrams (dem späteren Abraham) nach Haran. Sie beschließt eine Reihe von Verfehlungsgeschichten (Gen 3–11 EU).

Unter Verwendung vor- und außerisraelitischen Materials stellt der Redaktor die Menschheitsgeschichte seit dem Sündenfall als eine Abfolge von negativen Ereignissen dar: Verlust des paradiesischen Urzustandes, Brudermord, Sintflut, Entzweiung und Zerstreuung. Als Ursache dieses Unheils erscheint das Übertreten der Vorschrift Gottes (Gen 3,5 EU).

Tatsächlich weisen die Erzählungen über die Bosheit der Menschen vor der Flut strukturelle Ähnlichkeiten mit der Turmbauerzählung auf:

  • Nach der Ermordung Abels zieht Kain, zusammen mit seinem Sohn Henoch, in das Land Nod, wo er eine gleichnamige Stadt gründet (Gen 4,16 EU). Die Riesen und Helden der Vorzeit gehen auf die widergöttliche Vereinigung der Menschentöchter mit den Gottessöhnen (Engel) zurück (Gen 6,1–8 EU).
  • Nach der Flut ziehen die Menschen in das Land Schinar, wo sie sich niederlassen. Um sich nicht weiter über die Erde zu zerstreuen, beschließen sie, einen weithin sichtbaren Turm zu bauen (Gen 11,4 EU). Dies ist jedoch eine erneute Übertretung der Anordnungen Gottes, nämlich der, die ganze Erde zu besiedeln (Gen 9,1 EU und Gen 9,7 EU).

Auch diesmal bleibt eine Konsequenz nicht aus, jedoch erfolgt sie nicht in Form einer erneuten Ausrottung, sondern als Sprachverwirrung. Gott wahrt damit die Treue zu dem Bund, den er mit Noach geschlossen hat: Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen; denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an. Ich will künftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe. (Gen 8,21 EU) Dadurch gehen die Menschen ihrer gemeinsamen Grundlage der Kommunikation und aller daraus entstehenden Vorteile verlustig; der nun einzig gangbare Weg ist, dass sich Gruppen mit gleicher Sprache zusammenschließen und eigenständige Gemeinschaften aufbauen.

Der Beginn der Spaltung unter den Menschen ? Bewußt herbeigeführt ? (Elli)

https://www.evolution-mensch.de/Anthropologie/Turmbau_zu_Babel

Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

3 Kommentare zu „Der Turmbau zu Babel

  1. Tja, spannend. Dieses Thema, sich „zu Gott aufschwingen“ scheint mir sehr aktuell, denn für mich ist die Gentechnik etwas, was durchaus in diese Richtung geht. Natürlich mehr in die Richtung, dass sich einige über andere aufschwingen wollen. Also keine „einige Menschheit“. Sondern eher eine von einigen benutzte Menschheit, um sich vielleicht diesen Turm zu bauen. Und dann hätte die Vorstellung, dass es eine Instanz gibt, die das nicht zulassen wird, für mich etwas durchaus Tröstliches….
    Von daher kann diese Geschichte vom Turmbau zu Babel für mich in ganz unterschiedliche Richtungen gedeutet werden.

    Gefällt 3 Personen

    1. Das kann man so sehen. Aber das was danach passiert ist, war sehr negativ für die Menschheit. Ich glaube es ist auch symbolhaft und lässt sich nicht so einfach übersetzen. Mir ging es in erster Linie darum, daß aus einer Sprache viele gemacht wurden, das ist für mich der Grundstein der Spaltung der Menschheit. Von daher kann ich diesen Eingriff, wer da auch immer dahintersteckt, nicht einer guten „Macht“ zuordnen.

      Gefällt 1 Person

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