Eine Blumenelfe trifft auf eine hilfsbereite Maus

Geschichten

Die Kirchenglocke hatte schon vier Mal geschlagen. Gleich war es Mitternacht. Die kleine Blumenelfe Nektarsüss war ganz vertieft in dem was sie tat. Sie liebte es die Blütenblätter, nachdem sie vom Sturm verwirbelt wurden, durch ein magisches Lied zu ordnen. Dabei streichelte sie sanft, mit ihren perl-weißen Händen, über das Blatt. Und säuselte leise, wie ein gerade aufkommender lauer Herbstwind: „Im Herzen mit dir verbunden, sah ich, den Sturm dich schunden.“ „So wirke ich jetzt mit meiner Liebe und verhelf dir zu Ordnung und Kraft!“ Schon bevor sie mit dem Spruch am Ende war, lief ein Energiestrom durch die Blume und sie richtete sich wieder auf. Und stand aufrecht und stolz da ! Die Elfe klatschte in die Hände und ein inneres Leuchten durchzog ihren Körper von unten nach oben.

Da fing die Kirchenglocke, die Erste von zwölf Schlägen, an zu schlagen: Eins, zwei, drei … Nektarsüß war noch immer in ihrem Tun vertieft. Sie stand jetzt bei der Nachbarsblume … sieben, acht, neun … noch immer war sie abwesend und nahm das feinstoffliche Tor zum Elfenreich, das sich gerade schloß, nicht wahr. Erst als die Glocke zum zwölften Mal schlug, fiel ihr Blick auf das aufglühende Tor, das zischend verglimmte. Mit ungläubigem Blick schaute sie dorthin. Sie realisierte, daß sie versäumt hatte, rechtzeitig durch das Tor zu treten und ins Elfenreich zurückzukehren. Nun mußte sie bis zum frühen Morgen warten und konnte sich nicht in ihrem Bett, mit ihren Geschwistern, zur Ruhe legen. Eine Träne lief ihre Wange hinunter und sie schmiegte sich trostsuchend an die Blume neben ihr. Drückte ihr Gesicht in die Mitte der Pollen. Und als sie wieder auftauchte, war ihr Haar mit Goldglitzer bezogen. Ihr leises Schluchzen blieb nicht lange unbemerkt.

Eine kleine Maus, die ihren Mitternachtsschmaus verspeiste, nahm ihre feinstoffliche Gestalt wahr. Sie wuselte zu ihr und piepste: „Was ist denn mit dir, du zierliches hübsches Ding ?“ „Ich kenn dich ja gar nicht, auch wenn ich weiß, du du keine Maus bist !“ Da zeigte sich ein Lächeln auf Nektarsüss’s Gesicht. Die gerade aufsteigende Vorstellung, eine Maus zu sein, erheiterte sie. Sie stellte sich der kleinen Maus vor: „Nektarsüss ist mein Name, geboren als siebte unter Sieben.“ „Ich habe den letzten Glockenschlag versäumt um zurück ins Elfenreich zu kehren !“ „Nun muß ich warten bis zur Morgenstund, bis der erste Sonnenstrahl meine Nase erreicht und kitzelt !“

Die kleine Maus, die eine flotte Denkerin war, räusperte sich und erwiderte: „Gerne lade ich dich ein bis dahin in unserer Mäusehöhle zu verweilen !“ „Meine Familie wartet auf mich und freut sich bestimmt, wenn ich einen so ungewöhnlichen Gast mitbringe !“ Nektarsüss schaute in die freundlichen braunen Augen Flinkbeins, der sich als solcher vorstellte. Und sie gab ihre Zustimmung durch ein Nicken. Gemeinsam liefen sie über die Wiese Richtung Wald. Der Eingang zur Höhle lag unter einer hohen mächtigen Wurzel, die gut verdeckt mit Efeu, am Waldrand lag. Flinkbein kletterte durch das Loch in die Höhle und Nektarsüss folgte im nach. Das Höhleninnere war schwach beleuchtet. Einige glimmende Glühwürmchen flogen ihre Runden durch den länglichen Raum oder weilten in eingelassene Nischen, die wohl zu ihren Ehren geschaffen wurden. Die Höhle war sauber gehalten und mit weichen Moos ausgestattet.

Erstaunte Mäusegesichter richteten ihren Blick auf die Elfe. Diese begegnete dem durch einen vornehmen Knicks und begrüßte die Mäusefamilie mit ihrer sanften Stimme. Mit diesem ehrerbietenden Verhalten hatte sie das Herz der Mäusemutter sogleich gewonnen. Diese sprach zu ihr: „Du bist uns willkommen, werte Blumenelfe !“ Nur vom Hörensagen kenne ich euer Volk und bedauere es sehr, daß sich unsere Welten schon vor langer Zeit getrennt haben !“ Da kam der Mäusegroßvater, in Stolz ergraut, leicht gebückt, aber ohne Hilfe laufend auf sie zu: „Als junger Mäuserich, hatte ich noch Kontakt zu euch, ihr lichtvollen weltenwandelnden Elfen !“ „Und ein Wunsch, bevor ich diese Welt verlasse, war nochmal Einen von euch zu begegnen !“ Mit solch einem Glück gesegnet, ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen !“ Nektarsüss schaute in die gütigen Augen des weisen Mäuserichs und sie antwortete: „Geehrter Mäuserich von hohem Alter !“ „Gerne habe ich euch, scheinbar durch meine Unachtsamkeit, diesen Wunsch erfüllt !“

Und so kamen sie ins Erinnern und Erzählen. Der Mäusegroßvater, der Elin hieß, tauchte in seinen Geschichtenfundus ein. Und erzählte von seinen Begegnungen, meist freundlicher Art, mit Wesen der feinstofflichen Welt. Darunter waren nicht nur Elfen, sondern alle Elementarwesen, die das Feuer, die Erde, das Wasser und die Luft beherbergten. Die Feuersalamander, die Gnome und Zwerge, die Undinen und die Sylphen. Er erinnerte sich an eine Zeit, wo all diese Wesen und auch die, welche die feststoffliche Welt bewohnten, die Tiere und die Menschen, sich in Liebe und Wertschätzung begegneten. Jeder seine ihm innewohnenden Rolle angenommen hatte und freudig lebte. Und die damit verbundenen Aufgaben, gegenseitig geschätzt und gewürdigt wurden. Jeder hatte seinen Platz in diesen Welten. Und so waren sie im Gleichgewicht. Eine lange Zeitlang.

Nicht nur die menschliche Kultur, sondern auch die der Mäuse, hatte durch die Überhöhung des Materiellen sich in eine künstlichen Welt verwandelt. Und die Kunst der bewussten Anbindung zum Urwissen wurde selten mehr weitergegeben. Mit der einhergehender Degeneration dessen, was die Mäusekultur darstellte. Und die sich auch in der Sprache und den Umgang miteinander ausdrückte. Die Stadtmäuse, die unwürdig in der Kanalisation, statt in der Natur lebten, waren ein lebendiges Beispiel dafür. Auch die sprichwörtliche Rattenschläue ihrer Brüder wurde durch die chemischen Substanzen und Gifte im Abwasser vernebelt. Die Mäusekinder saßen ganz still und gespannt in dieser Runde dabei. Liebten sie es doch ihrem Großvater Elin bei seinen Geschichten zu lauschen.

Es reihte sich Stunde an Stunde. Sie stärkten sich zwischendurch mit Lindenblütentee und Pollenkekse und tauchten wieder in die vergangene Zeit ein. Da bat der Großvater Nektarsüss mit ihm vor den Eingang zu gehen. Er hatte etwas alleine mit ihr etwas zu besprechen. Er ließ seine Mäusefamilie zurück, die gespannt darauf warteten den Gesprächsinhalt zu erfahren.

Als die beiden zurückkamen, war die Morgendämmerung schon angebrochen. Nektarsüss wollte die Mäusefamilie nun verlassen, da das Tor zum Elfenreich bald wieder erscheinen würden. Die vorher unbeschwerte Atmosphäre wurde durch eine Abschiedstimmung gedrückt. Gemeinsam liefen sie zu der Stelle, zu der sie die Elfe führte. Als sich Großvater zu Nektarsüss stellte, wurde das Gefühl mit einer inneren Gewissheit bestätigt. Der Mäuserich räusperte sich und setzte zum Sprechen an: „Meine liebe Mäusefamilie !“ “ Ihr wisst, daß ich jetzt ein Alter erreicht habe, indem das Bedürfnis wieder ins feinstoffliche Feld einzugehen immer größer wird !“ „Auch ist euch bekannt, daß ich mein ganzes Leben lang, mit dem Naturreich und ihren Wesen sehr verbunden war !“ „Ich habe mich, mit dem Einverständnis der Elfen entschieden, den heutigen Tag als würdig zu erachten, meinem Körper zu verlassen !“ „Ich werde Nektarsüss ins Elfenreich begleiten und dort wieder mit vielen Wesen, die mir sehr nahe standen, vereint sein !“

Bei diesen Worten durchlief ein mit Wehmut erfülltes Wimmern die Mäuse. Doch wußten sie bereits zuvor, intuitiv erfasst, um den jetzt geäußerten Entschluß von Elin. Der Großvater setzte noch einmal an: „Ihr wißt hoffentlich, daß wir uns weiterhin begegnen werden. Es wird nur in einer viel hochschwingenderen Gestalt geschehen“ „Ich bin immer noch an eurer Seite, wenn ihr meine Nähe oder Ratschlag braucht !“ Dies ließ viele Mitglieder der Mäusefamilie wieder aufatmen … es fiel ihnen trotzdem nicht einfach ihn gehen zu sehen. Sie verabschiedeten sich, umarmten sich und tauschten persönliche Worte aus. Dann schritten die Blumenelfe und der Mäuserich Elin zum aufglühenden Tor, schauten lächelnd zurück und traten hindurch … und ihre Gestalt verblasste bis sie nicht mehr zu Sehen waren. Sie hörten noch die freudige Begrüßung der beiden im Elfenreich, die schon länger auf Elin gewartet hatten. Und Elfenpollen flogen, kurz bevor das Tor verglimmte, hindurch und auf sie herab. Und wirkten ihren magischen Trost auf die trauernde Mäusefamilie.

© Elli (Elke Strohmaier)

Bildquelle: Pinterest

Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

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