Friedolf auf dem Jakobsweg (2)

Er spürte, daß er hier, am Heimatteich seiner Vorfahren, keine Antworten darauf erhalten würde. Und während er in der unterirdischen Höhle saß, stieg plötzlich eine Idee in ihm auf ! Er, Friedolf, der Frosch, würde den Jakobsweg beschreiten ! Auf dieser Reise würde er bestimmt all die Antworten auf seine Fragen erhalten …

Friedolf träumte in dieser Nacht sehr intensiv. Im Traum sah er die Stationen des Jakobswegs. Als er aufwachte, konnte er sich aber nur an die erste Station erinnern. Im Traum sah er einen alten Brunnen am Stadtrand. Er sah Szenen von mutigen Fröschen, die einen kurzen Abstecher in das frische Nass machten und wohlbehalten ihren Weg weiterhüpften. Aber es gab auch welche, die waren waghalsig und unachtsam. Eine gefährliche Kombination. Manche von ihnen tauschten an diesem Ort ihre Freiheit gegen die Knechtschaft, in dem Zuhause eines Menschen, ein. Fristeten ihr restliches Leben in einem Terrarium. Oder in einem kleinen Glas, wo sie als Wetterfrosch dienen sollten. Georg hatte ihm erzählt, daß das Wetter, schon seit langer Zeit, künstlich beeinflußt wurde. Er nannte dabei, ein ihm unbekanntes Wort, das „Geoengineering“ hieß. Und auch vor dieser Zeit war es mittels Magie möglich aus einem schwachen Sturm einen Hurrikan zu kreieren.

Als er mitten in der Nacht aufbrach, hatte er beschlossen eine Zwischenstation, bei seinem Cousin Georg am Stadtteich, in Unkenhausen, einzulegen. Er wollte sich bei ihm nach dem Standort des alten Brunnens erkundigen. Da fiel ihm wieder ein, daß er im Traum auch einen „Wanderfalken“ gesehen hatte, der Richtung Osten geflogen war. Vielleicht hatte dies eine besondere Bedeutung. Mit einer gewissen Melancholie verließ er seinen Heimatteich, schaute nochmal hinter sich und verabschiedete sich für eine unbestimmte Zeit. Er wollte überwiegend nachts wandern, wo wenig Menschen unterwegs waren. Und das auf eine froschuntypische leise und unauffällige Art und Weise. Es war Herbstbeginn und die Zeit der Frösche sich fortzupflanzen und sich im Quakgesang gegenseitig zu übertreffen war für dieses Jahr vorbei.

So kam er Stunden später, noch vor dem Morgengrauen, in Unkenhausen an. Georg hatte seine Ankunft erwartet und hatte einen kleinen Snack für ihn vorbereitet. Frisch gefangene Käfer zur Stärkung ! Danach erzählte Friedolf über sein Vorhaben den Jakobsweg zu beschreiten. Und über seinen Traum und den Brunnen. Seinem Cousin war der alte Brunnen wohlbekannt. Nicht aus eigener Erfahrung, aber sein Vater hatte ihn als junger Frosch aufgesucht um dort eine Mutprobe zu absolvieren. Und in den Club der Casse-Cou aufgenommen zu werden. So erfuhr er, daß der Brunnen ein besonderes Erkennungsmerkmal hatte: Einen kleinen, goldenen Froschkönig, auf einem Stab thronend !

Noch während des Erzählens kam er selbst hinter die Bedeutung des Wanderfalkens, der Richtung Osten fliegt. Seine Mutter hatte ihm als Kind, innerhalb ihrer Philosophiestunden erzählt, daß der Osten für Weisheit und Erkenntnisgewinn stehen würde. Er war sich nun sicher, daß der Flug des Wanderfalkens, ihm die Richtung verraten würde, der er folgen sollte. Georg stimmt ihm zu. Und ergänzte es aber um eine Ahnung, die in ihm aufstieg. Er hielt es für möglich, daß die erste Station bereits mit einer Mutprobe verbunden sein könnte. Und empfahl ihm sich innerlich darauf einzustellen. Da der Morgengrauen bereits eingesetzt hatte, beschloß er die Tagesstunden noch bei seinem Cousin zu verbringen.

Friedolf genoß das tiefsinnige und auch heitere Gespräch mit Georg. Und lauschte gespannt seinen neuesten Erzählungen über die Vorkommnisse in der Menschenwelt. Er plante nach Einbruch der Abenddämmerung seinen Weg fortzusetzen und machte zuvor noch ein Nickerchen im Wasser.

© Elli (Elke Strohmaier)

Bildquelle: Pinterest

Geschichten

Friedolf der Frosch

Prosa

Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

2 Kommentare zu „Friedolf auf dem Jakobsweg (2)

    1. Lieber Werner, das freut mich sehr, daß die Geschichte dir gefällt ! Manches entsteht und wächst in mir ähnlich wie bei einem „Kind“ ! Die plötzlich aufkommende Idee ist wie eine „Be-frucht-ung“ 😉 Dir einen wunder-baren entspannten Sonntag, herzlich grüßt dich Elli

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