Friedolf auf dem Jakobsweg: Der alte Brunnen (3)

Friedolf erwachte als es dunkel wurde. Er kletterte aus dem Teich und wurde von einem leise plätschernden Regen empfangen. Er war dafür dankbar, es erleichterte ihm den Weg bis zum alten Brunnen. Er verabschiedete sich von seinem Cousin Georg. Einem alten Brauch folgend, segnete Georg sein Vorhaben, den Jakobsweg zu beschreiten. Georg schaute ihm dabei tief in die Augen und lächelte. Damit war alles, ohne Worte, gesagt. Er überreichte ihm ein kleines Fläschchen, welches mit einer grünen Flüssigkeit gefüllt war. Und forderte ihn auf davon einen Schluck zu trinken. Ohne nachzufragen, wofür das dienen sollte, setzte er die Flasche an sein Maul an. Schon als die Flüssigkeit durch seine Kehle ran, fühlte er die wirkende Magie darin. Staunend schaute er umher. Und nahm wahr, daß sein Blick nun um ein Vielfaches geschärft war.

Er verließ den Stadtpark mit dem Gefühl, die spannendste Reise seines Lebens anzutreten. Die Reise zu sich selbst. Der Weg führte ihn über schmale Gassen, links und rechts gesäumt von mittelalterlichen Häusern, welche eng aneinander gebaut waren, zum Stadtrand. Er hüpfte über die Pflastersteine, und fühlte noch die gespeicherte Wärme des heutigen Tages. Freudig hüpfte er durch die Pfützen, die der Regen hinterlassen hatte. Der Mond stand in seiner vollen Pracht am Himmel und beleuchtete die Altstadt und ließ eine friedvolle Atmosphäre entstehen.

Nun hatte er die Stadt fast hinter sich gelassen und konnte von dieser Entfernung aus den alten Brunnen erkennen. Der Mond beleuchtete den goldenen Froschkönig. Und es war ihm, als wenn dieser, von innen heraus, strahlte. Er hielt einen Moment inne und fühlte bewußt den Boden unter sich. Und verband sich mit der göttlichen Urquelle, die der große Frosch, ohne Gestalt und unendlich groß, bewohnte. Nach seiner Vorstellung war alles von dieser göttlichen Energie durchdrungen. Die Natur, das Tierreich und auch die Menschen. Nun war er beim Brunnen angekommen. Er hüpfte einmal um den Brunnen herum und schaute ihn sich, von allen Seiten, an.

Da vernahm er, hinter sich, die Laute eines Wanderfalkens: „Eeek-eeeek-eeeeek“ erschall es und ein Zittern durchlief seinen Froschlaib. Der Ruf glich, für seine Ohren, einem Alarmruf. Ihm fielen Georgs Worte ein, daß er mutig sein sollte. Er atmete tief durch und ging sofort wieder ins Vertrauen. Dann ging alles blitzschnell. Es kam noch der telepathische Anruf des Wanderfalkens bei ihm an, der ihm vermittelte keine Angst zu haben. Er vernahm ein Rauschen in der Luft und hörte Flügelschlagen. Von einem Augenblick auf den anderen ward er von den Krallen aufgenommen und festgehalten.

Ohne ihn zu verletzen, stieg der Vogel mit ihm in die Lüfte auf. Er stellte sich ihm mit dem Namen Pérégrine vor. Und forderte ihn auf sich von oben eine Übersicht zu verschaffen und sich die Landschaft unter ihm einzuprägen. Über die scharfen Augen des Wanderfalken konnte er die Landschaft unter sich, noch ein weiteres Vielfaches, wie nach der Einnahme des grünen Tranks, wahrnehmen. Er sah eine rennende Maus, die sich schnell versteckte, als sie den Falken über sich bemerkte. Er spürte das aufkommende Freßverlangen des Falkens, als wenn es seins wäre. Das anfängliche Unbehagen verwandelte sich in das Gefühl einer pulsierenden Kraft. Er fühlte sich berauscht und mächtig. Sie flogen über eine Flussauenlandschaft und weiter ostwärts konnte er ein Flachmoor erkennen. Der Vogel setzte schon wieder zum Landeflug an. Er steuerte einen Fluß an und ließ ihn, in geringer Höhe, ins Wasser fallen. Friedolf tauchte in das Nass ein und das Wasser spritzte auf. Als er die Orientierung wieder erlangt hatte, schwamm er zu einer angrenzenden Aue und kletterte ans Land. Dort fand er einen geschützten Ruheplatz und schloß seine Augen. Innerhalb weniger Sekunden war er eingeschlafen und betrat das Traumreich.

© Elli (Elke Strohmaier)

Bildquelle: Pinterest

Geschichten

Prosa

Friedolf der Frosch

Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s