Die Edda: Reportage aus der Götterwelt – Island (1)

Auszüge aus dem Buch: Asgard: Eine Reise in die Götterwelt der Germanen. Von Walter Hansen

In „Asgard“ schildert er seine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse, die er gewonnen hat, als er mit Geländewagen, Zelt und Schlafsack den uralten Reit- und Wanderwegen der Mythendichter auf Island folgte und zu den Schauplätzen der „Edda“ vordrang.

Auf Island entstand die Edda, ein Frühwerk der Weltliteratur, eine Sammlung alter Sagen, die uns Kunde gibt von Göttern und Göttinnen der Germanen, von Dämonen, Riesen und Zwergen, von mythischen Abenteuern, Tragödien und Komödien, von Weltanfang und Weltuntergang.

Ohne Edda hätte die Forschung nur Bruchstücke mythischen Schrifttums, die zusammen nicht annähernd ein Bild der Sagenwelt bieten würden. Aus der Edda kennen wir den Göttervater Odin beispielsweise, der auf seinem achtbeinigen Schimmel Sleipnir die Wilde Jagd anführt; den Gewittergott Thor, der donnergrollend durchs Gewölk fährt; den Sonnengott Baldur der vom blinden Hödur ermordet wird; den listigen Loki, der ständig Zwietracht sät unter den Göttern; den Fruchtbarkeitsgott Freyr, der in Liebe zur schönen Riesentochter Gerda entbrennt, den Wächter Heimdall, der in sein Signalhorn stößt, wenn die Dämonen heranstürmen und Ragnarök anbricht, der letzte Kampf, die Götterdämmerung, der Weltbrand, die Apokalypse der germanischen Religionsvorstellungen.

In den Schriften der Edda lesen wir von der Göttermutter Frigg, von der Liebesgöttin Freyja und der Totengöttin Hel, von der Midgardschlange, vom Fenriswolf und vom Höllenhund Garm, von den Riesen Hrungnir, Thrym und Hymir – und von allen anderen sagenhaften Wesen, an deren Existenz die Germanen glaubten. Aus der Edda stammen Wörter unseres Sprachgebrauchs: Asen, Nornen, Götterdämmerung. Walhall oder Walküren; vom Namen der Totengöttin Hel leitet sich etymologisch das Wort Hölle ab, nach dem Gewittergott Thor oder Donar ist der Donnerstag benannt und nach der Liebesgöttin Freyja, der Freitag.

Die populären Nacherzählungen der Göttersagen, die wir alle gelesen haben, stützen sich auf die Edda. Was immer wir auch von den Göttern und Dämonen der Germanen wissen, was immer unsere Vorstellungen von den Göttersagen bestimmt, von mythischen Stätten, Götterburgen und Dämonenschlupfwinkeln, die wichtigsten Quellen dafür sind die Schriften der Edda-Dichter aus Island. Die Edda besteht aus zwei Teilen: aus Prosa-Edda und Lieder-Edda.

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Die Götterburg Asgard

Asgard liegt in der Missetäterwüste

Noch war’s windstill. Ich fuhr von Norden her auf Asgard zu. Doch statt der „leuchtenden Götterburg“, wie sie beschrieben ist in Edda-Texten, ragte Gewölk empor, schwarz, ins Violette übergehend, schwefelgelb gesäumt hoch droben am Firmament. Die Luft flirrte über schwarzem Sand. Einige Drosseln und Brachvögel hetzten kreuz und quer, sie flohen vor dem Wetter und wußten nicht wohin. Wolken waren überall und kündigten Sturm und Regen an.

Die Götterburg Asgard liegt in einem verrufenen Gebiet, das die Isländer Odadahraun nennen: Missetäterwüste oder Wüste der Verbannten, bemannt nach den Mördern, Meineidigen und Ehebrechern, die einst, germanischer Rechtstradtion entsprechend, aus der menschlichen Gemeinschaft verbannt und für vogelfrei erklärt worden waren. Von der Stätte ihrer Verurteilung aus – dem Felsen des Thingplatzes in südwestlicher Küstennähe – hatten sie sich hierher geflüchtet, in eine Hochlandwüste der aktiven Vulkanzone, die tief im Innern der Insel versteckt liegt. Hier gibt es kaum Oasen, nur dann und wann sprießen – immer wieder verblüffend – handtellergroße Büschel von Gräsern und Blumen aus dem Lavasand.

Vor mir wellten sich sandige Hügel, bedeckt von kleineren und größeren , teils haushohen Gesteinstrümmern, sogenannten Moränenblöcken und Findlingen, Überbleibseln des eiszeitlichen Gletschergeschiebes, die weit verstreut herumlagen, wie hingeschleudert von der Hand eines Riesen

Durch die Missetäterwüste hatten einst Reit- und Wanderwege geführt. Einem dieser Pfade – dem östlichen – folgte ich in meinem Gelände-wagen, denn ich wollte Asgard genau aus dem Blickwinkel der Mythendichter sehen und erleben. Statt dessen konnte ich nachvollziehen, was den Reitern und Wanderern in der Vorzeit auf ihrem Weg nach Asgard geblüht hatte, wenn sie in eines der berüchtigten Hochland-Unwetter geraten waren.

Erst kam der Sturm. Über der westlichen Hügelkette zeigte er schon seine Drohgebärde. Sandschwaden, aus dem Erboden gepeitscht, wie von Explosionen emporgeschleudert bis zum Gewittergewölk, bildeten Zacken, Türme, Wirbel und Fontänen, ballten und verklumpten sich dann jählings zu einer Sturzflut aus Sand, schwarz und voller Wucht, die auf breiter Front heranrollte.

Fotoquelle: Pinterest/www.urlaubspiraten.de

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Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

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