Mia Seelchen auf der Suche

Prosa

Mia Seelchen war gerade in das gemütliche Dachzimmer eines älteren Hauses, mit großem Garten, eingezogen. Die Klaviermusik, die aus dem Haus erklang, hatte sie magisch angezogen. Durch die Fensterfront sah sie einen Mann, der am Klavier saß und spielte. Das mußte wohl der Vater des Mädchens sein, welche sie in den letzten Wochen, im Garten beim Spielen, beobachtet hatte. Sie hatte gehört wie der Mann es mit dem Namen Clara rief. Sie war wohl sechs oder sieben Jahre alt, von schlanker Natur, kletterte gerne auf Bäume und sang. Das Kinderzimmer von Clara lag eine Etage unter der Bühne, wo sie die nächste Zeit ihr Nachtlager aufschlagen wollte.

Das Mädchen machte einen traurigen Eindruck. Normalerweise konnten größere Kinder feinstoffliche Wesen wie sie, schon nicht mehr wahrnehmen. Doch bei Clara fiel ihr auf, daß sie immer wieder suchend in ihre Richtung schaute. Meist saß Mia auf einem dicken Ast eines Apfelbaums. Von dort aus schaute sie dem Kind, das beim Spielen sang, zu. Und sang leise die ihr unbekannten Kinderlieder mit. Clara fiel dies auf, denn sie schaute immer wieder zu dem Baum, auf dem sie saß, als wenn da unter dem Laubkleid verborgen, Vögel zwitscherten.

Am nächsten Morge, fühlte sich die Luft schon sommerlich warm an. Clara kletterte im Kleid und strohhutbedeckt, an einer Holzleiter, zu ihrem Baumhaus hinauf. Mia entschloß sich ihre Nähe aufzusuchen. Sie schwebte zum Baumhaus hoch, durch die Türe hinein und setzte sich, auf dem Boden, Mia gegenüber. Clara, die gerade im Weben vertieft war, erhob ihren Kopf und es machte den Eindruck, als wenn sie Mia direkt anschaute. Sie runzelte mit der Stirn und murmelte: „Komisch, da fühlt sich etwas anders an !“ „Ist da jemand ?“ „ Bist du es Omi ? … du hast mich schon lange nicht mehr besucht !“

Mia lächelte und nahm telepathisch Verbindung zu Clara auf: „Ich bin Mia, ich sitze dir gegenüber !“ Clara faßte an ihre Stirn und sagte: „Du bist es nicht Omi.“ „Ich höre wieder eine Stimme, wie früher, wo du plötzlich tot warst.“ Und dann fragte sie: „Wer oder was bist du denn du ?“ Mia wollte ihr noch nicht alles über sich erzählen, warum sie da war. Und so antwortete sie: „Ich bin so was ähnliches wie ein Geist … ein Geistmädchen !“ „Und mein Name ist Mia !“ Clara lächelte und flüsterte: „Wie schön, jemand spricht mit mir.“ „So, wie es damals Omi gemacht hat.“ „Mit Mama und Papa wollte sie auch reden, aber die haben sie nicht gehört !“

Und so begannen sie ein längeres Gespräch, bei dem Clara ihr viel über ihre Eltern erzählte. Und auch darüber, daß ihre Mama schwanger war. Und daß sie sich nicht so gut fühlte und viel Ruhe brauchte. Sie vermißte die Clara-Mama-Zeit sehr und erwähnte, daß sie sich nicht so sehr auf das Geschwisterchen freute. Und sich dafür ein bischen schämte. Ihre Freundin Helen hatte von ihrem kleinem Brüderchen fast nur geschwärmt. Doch leider war Helen mit ihrer Familie weit weg gezogen.

Als es schon dunkel wurde und Clara ins Haus zurückging, begleitete Mia sie hinein. Sie setzte sich, in ihrer unsichtbaren Gestalt, auf das Klavier und sah der Familie beim Abendessen zu. Claras Mama, ihr Name war Ruth, hatte einen deutlichen Babybauch. Sie hatte lange dunkelrote Haare und ein cremefarbenes fließendes Kleid an. Das gefiel Mia und erinnerte sie an einen Modestil ihres letzten Lebens. Ruth machte einen freundlichen und ruhigen Eindruck. Sie erfuhr im Gespräch, daß Claras Vater Artur hieß. Die Eltern sprachen über die bevorstehende Geburt in wohl 4 Wochen. Und daß sie sich schon sehr, auf das kleine Mädchen, das bald das Licht der Welt erblicken würde, freuten. Ruth wußte das Geschlecht des Kindes nicht durch einen Arzt. Doch sie war sich, wie schon bei Clara sicher, daß es wieder ein Mädchen werden würde. Sie fühlte es eindeutig. So erfuhr Mia auch, daß Ruth eine Musikerin war. Und bis zum Beginn ihrer Schwangerschaft in ihrer Berufung als Klavierlehrerin tätig war. Mit Clara ging sie sehr liebevoll um. Sie machte ihr den Vorschlag, sich auch einen Namen für das Baby zu überlegen. Diese Idee fand Mia schön. Jedoch spürte sie eine gewisse Distanz zwischen den beiden.

Ursprünglich wollte Mia, in den nächsten Wochen, die Frauen im Ort, die in guter Hoffnung waren, besuchen. Doch sie hatte Claras Mama gleich in ihr Herz geschlossen. Zudem gefiel es ihr, daß auch die Mutter sich so sehr zu Musik hingezogen fühlte. Mia kam ursprünglich aus einer Musiker-Seelenfamilie und hatte ihre Leidenschaft die letzten Inkarnationen, aufgrund immer weniger Familien, die diese Leidenschaft lebten, nicht umsetzen können. Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Eltern war zu gering. So beschloß sie vorerst in der Nähe von Ruth zu bleiben.

In der Nacht begab sie sich in das Schlafzimmer von Claras Eltern. Sie schwebte über Ruth und verband sich, mit Erlaubnis von Ruths Seele, mit ihr. Und tauchte in ihre Träume ein. Sie wollte alles von ihr erfahren um sich bewußt eine Mutter auszusuchen, die ihr den Raum bieten konnte, um zu wachsen und ihr Seelentalent zu leben.

Am nächsten Morgen wartete Clara lächelnd im Baumhaus auf sie. Mit „Ich habe dich gleich gespürt, als du zu mir kamst“, wurde sie begrüßt.

Heute verbrachten sie den ganzen Tag miteinander. Und Clara teilte alle Spiele mit Mia, die sie sonst alleine machte. Gemeinsam schaukelten sie, Mia auf Claras Schoß, die sie mehr fühlte, als daß ein Gewicht auf ihrem Schoß lag. Immer wieder lachten sie auf, bis Ruth ihren Kopf aus der Tür streckte und fragte: „Ich dachte schon, du spielst mit einer Freundin !“ Später brachte Ruth Kuchen in den Garten. Und stellte ihn auf den Gartentisch. Auch wenn Mia den Kuchen nicht essen konnte, tauchte sie in den sinnlichen Duft ein und war entzückt wie er roch.

Die folgenden Tage verliefen ähnlich. Auch Mia brachte Clara ihre alten Kinderspiele und Lieder bei. Und die Hüpfspiele und Abzählverse, die sie noch aus ihrer Kinderzeit kannte. So geschah es, daß Claras Mama, bei einem kurzem kurzen Aufenthalt im Garten, verwundert sagte: „Woher kennst du dieses alte Lied ?“ „Es stammt aus der Zeit meiner Großmutter !“ Clara lächelte als Antwort darauf.

Auch diese Nacht, wie die Folgenden, verbrachte sie wieder an der Seite von Claras Mama. Diese wunderte sich, daß sie sich wohler fühlte und sie nun wieder mehr Kraft und auch Lebenslust in sich spürte. Ruth begann wieder mehr Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen, die zu ihrer Freude, jeden Tag fröhlicher und ausgelassener wurde. Sie beobachtete sie beim Spiel mit einer imaginären Freundin und erinnerte sich dabei an ihre eigene Kindheit.

Diese Nacht verbrachte Mia an der Seite von Clara in ihrem gemütlichen Bett. Über dieses war ein blauer Betthimmel gespannt. Und die beiden Mädchen lagen vertraut nebeneinander und tauschten ihre Gedanken und Gefühle aus. Plötzlich sagte Clara zu ihr: „Ich wünsche mir so sehr, daß du meine kleine Schwester sein könntest !“ Ein warmes Gefühl stieg in Mia auf und sie tat so, als wenn sie ihr in das Ohr flüsterte: „Manche Wünsche, die von Herzen kommen, gehen in Erfüllung !“ Und lächelte über ihr ganzes lichtvolles Seelengesicht.

Sie fügte dem noch hinzu: „Liebe Clara, ich werde bald für ein paar Tage und Nächte nicht bei dir sein können.“ „Aber ich verspreche dir, wir sehen uns wieder !“ Clara verstand nicht genau was sie damit meinte. Aber sie fragte nicht nach, denn sie vertraute Mia.

Die Wochen verflogen und der Babybauch von Ruth wurde noch runder. So kam der Tag der Geburt. Claras Eltern hatten sich für eine Hausgeburt entschieden. Die Hebamme, eine ältere Tante von Ruth namens Martha, hatte schon Tage zuvor ein Zimmer im Haus begezogen.

So wurde es jetzt Zeit sich für einen Namen zu entscheiden. Wie versprochen konnte auch Clara ihren Vorschlag Mama und Papa mitteilen. Sie flüsterte den Wunsch ihren Eltern ins Ohr. Beide lächelten und Mama sagte darauf: „Das ist aber ein hübscher Vorname !“

Clara und ihr Vater entschieden sich die letztendliche Wahl des Namens Mama zu überlassen.

Als Clara auf ihr Zimmer kam beschlich sie ein trauriges Gefühl. Mia war nicht mehr da ! Sie fand es schade, daß sie gerade bei diesem besonderem Ereignis nicht dabei war.

Mitten in der Nacht wachte Clara auf. Sie hörte Stimmen im Hausflur. Schnell zog sie sich an und eilte die Stufen hinab. Ihr Vater empfing sie vor dem Zimmer, in dem sich Mama und ihre Tante befand. Sie hörte durch die Türe flüsternde Stimmen. Erwartungsvoll schaute sie ihren Vater an. Dieser lächelte und reagierte gleich auf die unausgesprochene Frage: „Dein Schwesterchen ist da !“ „Wir lassen aber Mama und Tante Martha noch ein bischen Zeit.“ „Wir dürfen bald zu ihr und das süsse kleine Mädchen begrüßen !“ Beim Warten fiel ihr plötzlich wieder Mia ein. Doch bevor sie sich Gedanken darüber machen konnte, wo diese steckte, ging die Türe auf und sie eilte zu Mama ans Bett. Ihre Schwester lag auf Mamas Bauch. Ein rötlicher Hauch von Haarflaum war zu sehen.

Als sie näher kam, fühlte sie etwas ganz Vertrautes. Sie ging näher zu ihrer Mutter, die sie anlächelte und sie fragte: „Möchtest du wissen, welchen Namen ich ausgesucht habe ?“ Clara nickte mit dem Kopf. „Mir ging dein Namensvorschlag nicht mehr aus dem Sinn !“ „Der Name tauchte immer wieder in meinen Träumen auf.“ Leise sagte sie: „Deine Schwester hat den Namen Mia bekommen !“ Und in dem Augenblick als sie die kleine Mia, das erste Mal, in die bereits geöffneten blauen Augen schaute, ging ihr Herz ganz weit auf. Jetzt wußte sie, daß die große Mia für eine lange lange Zeit, an ihre Seite weilen würde. Als ihre Schwester ! Mit feuchten Augen schaute sie ihre Mutter an und erzählte ihr wie glücklich sie sei. Unerwartet vernahm sie Mias Stimme, die sie fragte: „Ist meine Überraschung gelungen ?“ Sie konnte nur nicken und vorsichtig streichelte sie die Backe von ihrer Schwester.

© Elli (Elke Strohmaier)

Bildquelle: Pinterest

Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

5 Kommentare zu „Mia Seelchen auf der Suche

  1. Welch lieblichen Seelen-Zauber du in diese Worte eingewebt hast, liebe Elli…

    Ich DANKE dir von Herzen… welches – beim Lesen weit geöffnet – und zutiefst berührt den Zeilen folgte. Da blieb – bei mir – in der Tat kein Auge trocken. 😊

    DANKE du liebe Seele, dass diese(s) Mädchen in deiner so wundervollen Geschichte das Licht dieser Welt erblicken durfte(n)… 🙏🤗

    Ich wünsche dir einen zauberhaften Nachmittag und
    schon mal ein schönes Wochenende…

    Liebe Grüße
    Elke

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Elke, auch dir wünsche ich einen segensreichen Tag. Ich hoffe, auch du wirst so von der Sonne verwöhnt wie ich gerade auf dem Balkon. Es fühlt sich schon vorsommerlich warm – heiß an. Genieße es in der Natur zu sein, ich gehe einfach davon aus, daß du das bist. Und vielen Dank für die wunderbaren Worte hinsichtlich meiner Geschichte ! Herzlicher Gruß, Elli

      Gefällt 1 Person

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