Träumt wie die Kinder – Tom

Er hatte es so satt immer das Opfer zu sein. Die Jungs, die sich Georgs Clique angeschlossen hatten, waren nur darauf aus andere zu schikanieren. Ihnen schon morgens, vor dem Unterricht, aufzulauern und Geld abzuknöpfen. Oder Gegenstände, die ihnen gefielen. Sie drohten ihm, wenn er etwas davon verpetzte, ihn zu verprügeln.

Wie oft, hatte er sich schon vorgenommen, sich das nicht mehr gefallen zu lassen und sich mit George zu prügeln. George hatte ihn schon des öfteren dazu aufgefordert, dies zu tun, wenn ihm etwas nicht passt. Er war kein Hänfling und hatte ausreichend Muckis. Mit ausreichend Mut, hatte er eine Chance gegen ihn. Doch die Worte seiner Mutter, daß er sich nicht schlagen soll, hielten ihn immer noch davon ab.

Georg und seine Jungs waren nicht die Einzigsten an der Schule, die andere bedrohten und ihnen Geld oder Dinge abnahmen. Seit er in die 6. Klasse gekommen wurde es immer schlimmer. Die Lehrer, die auf dem Schulhof Pausendienst hatten, schauten meistens weg, wenn sowas passierte.

Wenn doch sein Großvater noch leben würde. Mit ihm konnte er immer über alles reden. Und ihm fiel immer etwas ein, wenn es brenzlig wurde.

Als er daheim war, setzte er sich erstmal auf sein Rad und flitzte davon. Er war so wütend, er mußte Dampf ablassen. Seine Mutter schimpfte hinter ihm her, daß er erst zum Essen kommen sollte. Doch heute war ihm das Gemecker einfach egal. Nach dem Essen verzog er sich auf sein Zimmer und lernte auf die Mathearbeit, die sie morgen schreiben würden.

Er war heute wortkarg und ging nicht auf die Frage seiner Mutter ein, wie es denn so in der Schule lief. Sollte sie doch mit ihm sauer sein. Er war auch sauer. Nach dem Abendessen zeichnete er noch an seinem Comic weiter. Seine Leidenschaft, die er, seit er 4 Jahre alt war, lebte. Das lenkte ihn ab und brachte ihn wieder runter.

Schließlich legte er sich auf sein Bett und hoffte, daß er heute nicht so lange zum Einschlafen brauchen würde. Immer wieder gingen ihm Bilder von seinem Großvater durch den Kopf. Von den Ausflügen, die sie gemeinsam mit dem Rad, unternommen hatten. Und dem Zelten unter sternenfunk-elnden Himmel. Und wie sie, durch das Dachbühnenfenster, über das Teleskop seines Großvaters, Sterne beobachtet hatten. „Opa, du fehlst mir so“, dachte er.

Er schaute durch die Dachluke auf den Nachthimmel. Die vielen Sterne schienen ihm aufmunternd zuzublinken. Er war schon am Eindösen, als plötzlich ein Stern aus einer Gruppe ausscherte. Und es den Eindruck machte, als wenn er, in seine Richtung, immer schneller zuflitzen würde. Georg staunte. Der Stern wurde heller und größer, bis es aufeinmal aufblitzte und der Stern verschwunden war.

Träumte er schon ? Er konnte es kaum fassen, was er gerade erlebt hatte. Kurze Zeit später tauchte er in einen Traum ein. Sein Großvater wartete schon auf ihn auf der Dachbühne. Doch statt zusammen durch das Teleskop zu schauen, überreichte er ihm ein Paar Boxhandschuhe. Tom schaute ihn fragend an und wollte von ihm wissen, was es auf sich hatte.

Der Großvater legte seine Hand auf seine Schulter und meinte, er würde es im richtigen Moment wissen, was zu tun sei. Und als er sich schon von ihm entfernte, erreichte ihn noch der Nachhall seiner Worte: “ …, sein Vater schlägt ihn !“ Am nächsten Morgen fühlte er sich super gut. Aber gleichzeitig war er bedrückt. Daß Tom geschlagen wurde, da war er selbst noch nicht darauf gekommen. Obwohl es eigentlich logisch war.

Er lief gedankenabwesend den Schulflur entlang. Und fast wäre er mit Georg zusammengekracht. Von seinen Jungs war weit und breit nichts zu sehen. Georg trug heute eine große Sonnenbrille. Ein dunkler Rand um das linke Auge, schien sich darunter abzuzeichnen. Die Angst vor ihm war total verpufft. Er schaute Georg nur an und sagte: „Dein Vater schlägt dich, oder ?“ Georgs Gesichtausdruck wurde dunkelfinster und er hob schon die Hand. Doch mit diesem Tom, so wie er vor ihm stand, hatte er nicht gerechnet. Und er fiel in sich zusammen. Und sagte nur: „Kein Wort darüber zu den anderen“ „Wir sehen uns nachher bei der Eiche.“

In der großen Pause, wunderten sich die Jungs von Georg darüber, daß er mit diesem Tom redete. Er hatte sie einfach weggeschickt. Irgendwie machte es den Eindruck, als wenn sich da etwas veränderte. Und sie wußten nicht, ob ihnen das gefiel.

© Elli (Elke Strohmaier)

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Bildquelle: https://astro-naturfotografie-spuling.de/friedenseiche-hombressen

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3 Antworten zu „Träumt wie die Kinder – Tom“

  1. Einen Traum
    eines anderen
    kann wenn er
    ausgesprochen
    in der Gegenübertragung
    das eigene Innere anregen

    zur Einsicht kommt ein Mensch
    er alleine durch seinen Traum

    die Seele macht im Traum
    scheinbar unsinnige
    falsche Behauptungen

    die mit der Innenwelt
    der Aussenwelt
    der Innenwelt
    nicht der Wirklichkeit
    und der Gleichzeitigkeit entsprechen

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    1. Danke, für deine Gedanken dazu. Träume zu entschlüsseln und immer mehr bewußt zu träumen, ist für mich wichtig. Auch um zu sehen, wo ich stehe ich gerade. Was geht in Transformation und was ist gelöst.

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      1. Guten Abend,

        Danke für Ihre Antwort.

        Im Drama der Seele
        spiele ich eine Nebenrolle
        einen grundlegenden Wandel
        dem weiss ich mir nicht
        nichts vom Verdorbenen
        kann ich in der Seele löschen
        jeder Traum bringt mich
        an den Anfang zurück

        Mit freundlichen Grüßen
        Hans Gamma

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