Beppo sperrt sich aus (4)

Beppos Geschichten

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Prosa

Heute war Ausgehtag für Beppos Frauchen und Herrchen. Er lag schon in seinem Hundekorb im weitläufigem Flur, während sich die beiden chic machten. Sie wollten die Oper besuchen. Es kam „Die Räuber“ von Verdi. Er konnte sich diesen Namen so gut merken, da Andrea zu ihm „Du Räuber“ sagte, wenn er Kissen von der Couch mopste, um seinen Hundekorb gemütlicher auszustaffieren. Er verstand es nur nicht, weshalb er dann nicht mitkommen durfte. Denn er hatte die Vorstellung, daß auch Hunde in der Oper sangen. Er konnte das auch ganz fantastisch. Warum Harald immer so das Gesicht verzog, wenn er jaulte, konnte er nicht nachvollziehen.

Andrea und Harald verabschiedeten sich von Beppo und er bekam noch ein Hundeleckerli zugeworfen. Kurz später ging die Türe sperrangelweit auf. Beppo bekam Wortfetzen von Harald mit: “ … wo sind diese blöden Karten, denn !“ Beppo starrte zu der Türe auf den Hausflur hinaus. Just in diesem Moment, ging die Türe von der gegenüberliegenden Wohnung auf und die wilde Nachbarskatze, sprang heraus. Sie funkelte ihn an und entfachte ein Adrenalinfeuer in ihm. Dieses Mal konnte er ihr respektloses Verhalten nicht durchgehen lassen und er rannte auf den Flur hinaus und warf sich auf die Katze. Diese drehte sich, in dem Moment um, rannte zurück und er erwischte nur noch ihre Hinterfüße. Sie schlitterten beide durch die Nachbarstüre in die Wohnung hinein. Das Katzenfrauchen schaute sie entsetzt an und schloß schnell die Türe.

Sie stellte sich zwischen die Widersacher und mahnte sie mit strengen Worten zur Ruhe. Beppo bekam, noch nebenbei mit, wie Harald die Treppe runterpolterte und weg war er. Fr. Biedermaier-Müller war eine wunderbare Friedensstifterin. Mit Leckerli für die Katze und für den Hund, entspannte sie die Situation in wenigen Sekunden. Bis vor einem Jahr hatte sie selbst noch einen Hund, der leider bei einem Autounfall starb. Dann ermahnte sie mich und die Katze in der Wohnung zu bleiben und klingelte bei mir. Wie ich schon wußte, machte niemand die Türe auf. Und sie schrieb etwas auf einen Zettel und klebte ihn an die Türe.

Nun sprach sie mit uns beiden. Und klärte die Katze auf, daß ich, „Der liebe Beppo“, ein paar Stunden oder vielleicht die ganze Nacht, bei ihnen bleiben würde. Die Katze verstand nix. Ich holte die Aufklärung katzengerecht nach. Und schickte ihr Bilder, die die große Herausforderung für uns beide erklärten. Mir kam es so vor, als wenn ihre Maulwinkel abrupt nach unten fielen. Um die Atmosphäre zu entspannen, wedelte ich mit meinem Schwanz. Blöderweise hielt sie das für eine Aufforderung und Erlaubnis mit meinem Schwanz zu spielen und ihn zu beißen. Schwupps-di-Wups ging die Jagd durch die Wohnung weiter. Wir hatten vielleicht eine Minute Spiel- und Rennspaß im Wohnzimmer miteinander und sprangen über die Couch auf den Boden. Setzten uns um den Tisch herum nach und wollten die Jagd in Richtung Esszimmer fortsetzen.

In dem Moment, als die Katze außerhalb des Türrahmens war, schloß Fr. Biedermeier-Müller die Türe. Und ich konnte nur durch eine kreiselnde Bewegung verhindern, daß mein Kopf gegen das Holz schlug. So war es nun der Allerwerteste, der mit dem stabilen Hartholz in schmerzhafte Berührung ging. Das nun strenge Katzenfrauchen erklärte mir, daß wir nun beide angeleint werden. Sie ging hinaus und schloß die Türe. Dem Miauen der Katze nach, vollzog sie ihre Festsetzung im Esszimmer. Und als sie zu mir kam, hatte sie eine Hundeleine dabei, die sie mir um den Hals umlegte. Nun durfte auch ich das Esszimmer betreten. Und wurde im gebührenden Abstand zur Katze an einem Tischbein angebunden.

Wir beiden machten das Beste aus dieser Situation, legten uns hin und dösten. Fr. Biedermeier-Müller schien sich nun des Katzen-Hunde-Friedens gewiß zu sein und verließ das Esszimmer. Jetzt stellte ich fest, daß auch Katzen fähig waren zu kommunizieren. Sie schickte mir ein: „Du bist gar nicht so blöd, wie ich dachte“ zu. Zuerst wollte ich wütend werden und dann kam die Erkenntnis, daß dies wohl ein Kompliment war. Mein Schwanz wedelte und schnell schob ich nach: „Aber nicht beißen !“ Das schien die Katze zu erheitern und in diesem Moment veränderte sich unsere Beziehung zueinander positiv.

Die Spannung, die zuvor noch den Raum ausfüllte, schien wie die Luft in einem Luftballon, zu entweichen. So kamen wir ins Bilder-austauschen: Die Katze, die Flupsi hieß (ich hielt das Lachen standhaft zurück), war nur eine Hauskatze. Das hieß, sie durfte die Wohnung nicht verlassen. Die Leine, wurde ihr angebunden, wenn sie zu wild durch die Wohnung flitzte. Als ich das vernahm, durchfuhr mich ein heißer Liebesstrom für meine Eltern, Andrea und Harald, die meinen Bedürfnissen als Hund die Möglichkeit gaben, diese auszuleben. Und ich war wild entschlossen, dieser Katze zu ihrem Recht zu verhelfen. Wie, das wußte ich noch nicht genau. Aber wo ein Wille ist, ist ein Weg. Und dies teilte ich ihr mit. Als Frauchen und Herrchen wiederkamen und mich abholen wollten, fanden sie mich und die Miezi eng aneinander gekuschelt. Wir taten so, als wenn wir schlafen würden. Ein bischen war es mir ja doch peinlich, in dieser Situation, mit einer Katze, erwischt zu werden. Ich verrate es aber nicht, wie die Katze es geschafft hat, ihre Fessel abzustreifen. Nur ein kleiner Tipp: Steter Tropfen höhlt den Stein und scharfe Zähne wetzen ein Halsband nachhaltig durch. 😉

© Elli (Elke Strohmaier)

Bildquelle: Pinterest

Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

2 Kommentare zu „Beppo sperrt sich aus (4)

  1. Deine Geschichte, lieber Beppo, erheiterte mich/uns am Frühstückstisch… wie gut doch, dass du nicht mit in der Oper warst… so konnten wir doch hier an deinem Abenteuer mit Flupsi teilhaben…😊 DANKE für diesen fröhlichen Morgegruß… 🙏

    Liebe Grüße
    Elke

    Gefällt 1 Person

    1. Danke liebe Elke, gerne teile ich meine lustigen und berührenden Erlebnisse mit anderen Menschen ! Ein herzliches Wuff-Wuff und aufrichtiges Schwanzwedeln von Beppo. P.S. Auch Flupsi sendet dir ein fröhliches Miau zu. Sie freut sich, jetzt einen Freund an ihrer Seite zu haben.

      Gefällt 1 Person

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