Das Wilde in mir – Sprung in eine andere Welt (4)

Unsere Gefühlswelten verschmolzen miteinander und ich sah innere Bilder, wie er mit den Wölfen, mit denen er sich wie mit einer Sippe verbunden fühlte, durch den Wald tobte. Als er durch das Lichttor sprang, folgte ich ihm ohne zu zögern. (Ende Teil 3)

Wir landeten in einem Waldstück das sich gänzlich von unserem Ausgangsort unterschied. Welches von Ursprünglichkeit, Fülle und Kraft und überdimensionaler Größe gesegnet war. Und in der anscheinend keine Menschen lebten, die regelmäßig Bäume fällten. Ich hatte, als mein Herrchen eine Sendung über Urwälder im Fernsehen anschaute, innere Bilder davon aufgenommen und bewahrt. Und die stiegen jetzt wieder in mir auf und ähnelten dem Wald hier sehr.

Als ich meinen Blick von der prachtvollen Natur abwendete, nahm ich die Wölfe um uns herum bewußt wahr. Sie standen und lagen friedlich und gelassen in einem Halbkreis um uns herum. Hinter mir erklang Hundegebell. Und ich staunte als ich Hunde, aus meiner Nachbarschaft, auf uns zulaufen sah. Da war Herbi, der Rottweiler, der nur ein paar Häuser neben mir wohnte und mich immer ignorierte, wenn wir uns beim Spaziergang begegneten. Nun kam er mit wedelndem Schwanz auf mich zu und begrüßte mich schnuppernd. Auch die zierliche Pudeldame namens Flora, mit der ich schon viele erfreuliche Begegnungen im Park hatte, befand sich in dieser Welt. Sie schritt gemächlich und gelassen in einem Halbkreis um mich herum und legte sich neben mich.

Auch auf meinen Freund Janosch kamen Hunde zu, die ich aber nicht kannte. Einer davon, schien ein Herzensfreund von ihm zu sein. Die beiden begrüßten sich freudig und überschwänglich. Janosch wurde zu Boden geworfen und sie rollten, im spielerischen Kräftemessen, auf dem Waldboden umher.

In dem Moment nahm ich etwas Vertrautes wahr und ein Schäferhund im Teenageralter raste auf mich zu und hätte mich fast umgeworfen. Schnell sprang ich zur Seite. Da fiel mir eine markante Narbe in seinem Gesicht auf. Und ich dachte mir, das ist doch Robbi, der als Hundebaby unter mysteriösen Umständen verschwunden war. Sofort kam eine emotionale Bestätigung von ihm, daß er es wäre ! Er war schon als Hundebaby sehr neugierig und abenteuerlustig. Und nutzte jede Gelegenheit um Auszubüchsen. Bis er nicht mehr wiederkam.

Ich fragte mich, wie das möglich war, daß wir alle den gleichen Traum hatten ? Und uns hier, mit den Wölfen, unseren Vorfahren, trafen ? Ging es den anderen Hunden vielleicht genauso wie mir ? Daß sie ihr altes Hundeleben in Frage stellten und sie auf der Suche waren nach einer neuem Leben, indem sie selbstbestimmt und frei agieren und entscheiden konnten ? Erwachte in immer mehr Hunden das Bedürfnis in einem Kreis von Gleichgesinnten, einer Seelenfamilie, zu leben ? Ich drehte meinen Kopf zu Janosch und schaute ihm in die Augen. Und erkannte, daß er sich gerade mit den gleichen Fragen wie ich beschäftigte.

Der Leitwolf kam nun auf uns zu. „Herzlich willkommen, in unserem Kreis ! Ihr seid voll inneren Fragen. Die Antworten darauf werden sich nach und nach, über eure Intuition und Gefühle, hier in dieser Welt, aber auch in eurer Alltagswelt, einstellen. Wir alle, und dabei schaute er all die Hunde und Wölfe an, die sich um ihn herum versammelt hatten, sind dabei unserer wahren Natur und Wildheit wieder näher zu kommen. Hier sind wir Wölfe eure Traumväter- und ahnen. Doch wir leben nicht nur in dieser Welt. Begebt euch auf die Suche nach uns … `“

Und mit diesen Worten wurde der Aufwachprozess eingeleitet. Wir gerieten in einen Sog, der uns aus dem Wald wegzog. Schräg nach oben. Die Tiere unter uns wurden immer kleiner und verblassten. Mir widerstrebte es wieder in die Alltagswelt gezogen zu werden. Doch dann fiel mir ein, daß wir ja, in dieser Welt, auf die Suche nach den Wölfen gehen sollten.

Ich erwachte in meinem Hundekorb und eilte mit noch unsicheren Pfoten zur Türe. Und bellte mein Herrchen an, das beim Frühstück saß. Stefan war verblüfft und sagte zu mir: „Das hast du noch nie gemacht Benni !“ „Als erstes schaust du doch immer, ob dein Napf gefüllt ist !“ Da hatte mein Herrchen recht. Und es wäre unklug mit leeren Magen Moritz und Janosch zu besuchen. Und auf die Suche zu gehen. Und so schloß ich mich Stefan an und gemeinsam genossen wir das erste Mahl des Tages.

© Elli (Elke Strohmaier)

*

Bildquelle: pixabay

*

Geschichten

Kurzgeschichten

Prosa

Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

2 Kommentare zu „Das Wilde in mir – Sprung in eine andere Welt (4)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s