Ein Blick durch den Spiegel zu sich Selbst

Moira lief gemächlich durch den Wald. Jeden Tag, nach der Arbeit, tauchte sie zuerst in die Tiefe des Waldes ein. Sie liebte die schmalen und verschlungenen Wege, die von Wurzeln unterwoben waren. Die sie aufforderten genau hinzuschauen, den Boden zu spüren, um nicht an einer Wurzel hängenzubleiben. Die geschlossenen Wipfel der Bäume, die sie nach dem Betreten, schützend von oben umfingen. Beim Durchschreiten des Waldportals spürte sie, wie die äußere Ruhe langsam auf sie überging. Sie schnupperte den Waldduft und nahm ihn in sich auf. Er beruhigte sie und machte es ihr möglich, Abstand zu dem zu bekommen, was sie bei der Arbeit geärgert hatte. Und sie vergaß für diesen Zeitraum, wie ungern sie zur Arbeit ging.

Der Wald kam ihr wie eine Erweiterung ihres inneren Raumes vor, indem sie sich geborgen fühlte und sich wieder zu spüren begann. In dem ihr Atem, ganz von alleine, ruhiger und tiefer wurde. Sie kannte jeden Winkel und alle Tiere von klein bis groß, die ihn bewohnten. In ihrer Tasche steckten immer ein paar Nüsse für das zutrauliche Eichhörnchen, das es jeden Tag schaffte sie zu erschrecken. Unerwartet und auf schalkhafte Weise sprang es auf ihre Schulter. Und mit einem schnalzendem Geräusch forderte es Nüsse ein. Wenn es gesättigt war, dann hüpfte es herab auf den Waldboden und begleitete sie noch eine Zeitlang auf ihrem Weg, von Zweig zu Zweig hüpfend.

Während sich ihre dunklen Gedanken ins Lichte wandelten, nahm sie plötzlich schemenhaft ein kleines Holzhaus auf einer Lichtung, tiefer im Wald, wahr. Sie stoppte und wunderte sich. Sie war sich absolut sicher, daß an dieser Stelle nichts stand. Als sie versuchte das Haus mit ihren Augen klar zu erfassen, stellte sie fest, daß es zu flimmern begann. Sie wurde neugierig und wollte das Haus aus der Nähe anschauen. Und lief quer über den unebenen Waldboden auf das Häuschen zu. Eine innere Spannung baute sich in ihr auf. Ihre Haut überzog sich mit Gänsehaut und kribbelte, was aber nicht unangenehm war.

Sie umrundete das Haus einmal und blieb vor der hölzernen Eingangstüre stehen. Sie drückte die Klinke nach unten und ein feines kaum wahrnehmbares Glöckchengeräusch erklang. Bedächtig setzte sie ihre Füße auf den Dielenholzboden. Der Blick in das Innere des Raumes überraschte sie. Es war unmöbeliert bis auf einen großen ovalen Standspiegel, mit kunstvoll geschnitztem Holzrahmen, der in der Mitte stand. Sie trat näher schaute in den Spiegel und fand sich ganz im Spiegelbild wieder. Dann nahm sie ihr Gesicht wahr. Die rosige Haut, erfrischt vom Spaziergang. Die feinen Falten, die sich in den letzten Monaten vertieft hatten und in Resonanz zu ihrer Unzufriedenheit standen. Und die traurigen Augen, die sie durchdringend anzuschauen schienen.

Es hieß, daß die Seele durch die Augen sprechen kann. Sie ging innerlich zurück in der Zeit und überlegte, zu welcher Zeit sie noch mit ihrem Leben zufrieden war. Sie noch Träume hatte. Ihr fiel das Foto ein, das an der Wand im Wohnzimmer hing. Und sie, als Studentin, kurz vor dem Diplom zeigte. Eine Moira, die fröhlich und zuversichtlich in die Zukunft schaute. Die fest in ihrem Freundeskreis und in sich selbst verwurzelt war. Die Gefühle von damals stiegen wieder in ihr auf und belebten sie.

Plötzlich wandelte sich das gesamte Spiegelbild und sie erblickte die Moira aus der Studienzeit. Die sie voller Lebenslust und Liebe anstrahlte. Sie schien ihr etwas mitteilen zu wollen, doch es fiel ihr schwer sie zu verstehen. Und in diesem Augenblick, als sie erahnte, was ihr früheres Ich ihr mitteilen wollte, sprang diese aus dem Spiegel und verschmolz mit ihr. Als sie wieder in den Spiegel blickte, erlosch dieser bereits. Und gleichzeitig mit ihm lösten sich die Wände des Hauses um sie herum auf. Und als sie um sich herum schaute, war auch das Dach und der Fußboden unter ihr verschwunden. Frohen Schrittes betrat sie den Waldweg. Die einzige Konstante im Leben ist der Wandel. Sie war nun bereit dazu.

© Elli (Elke Strohmaier)

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Bildquelle: Pinterest

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Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

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