Beppo auf Abwegen (1)

Beppos Geschichten

Geschichten

Prosa

Es klingelte bei Beppos Frauchen. Die Türe zur Wohnung ging auf und eine Frau betrat den Flur. Beppo kannte sie, sein Frauchen sagte Bettina zu ihr. Sie roch immer gut und streichelte ihn so lange, wie er mochte. Doch heute ging Bettina zu seinem Frauchen und erzählte ihr in einem sehr aufgeregten Ton etwas, was er nicht verstand. Er verstand nur Menschenworte, die für ihn wichtig waren. Wie „Happa-Happa“ und „Gassi gehen“. Na ja, wenn er wirklich wollte konnte er schon mehr verstehen. Aber die Verfolgung dieser langen Gespräche waren ihm zu anstrengend. Viel einfacher fiel es ihm die Gefühle und Emotionen der Menschen zu erahnen und zu erschnüffeln. Innerhalb kurzer Zeit, wußte er wie es ihnen gerade ging.

Dann fiel ihm auf, daß die Türe zum Hausflur noch offen stand. Neugierig streckte er seinen Kopf hinaus. Und vernahm sogleich verschiedene Duftnoten, die ihn lockten und durchschritt die Türe. Er wußte, daß er nicht alleine die Wohnung verlassen sollte. Doch seine Begierde den Düften nachzugehen war zu groß. Zuerst lief er auf dieser Etage zu der rechten Hausflurecke und erschnupperte den Geruch der Katze vom Nachbar nebenan. Sie roch sehr unangenehm fischig, da sie Katzenfutter mit Fisch bevorzugte.

Er wurde vom Schnüffeln abgelenkt, da er durch das geöffnete Fenster Hundegebell von unten aufsteigend hörte ! Er erkannte das Gebell sofort, das war sein Freund Franz ! Er spähte von außen durch den Spalt der geöffneten Türe in die Wohnung. Bettina war immer noch mit seinem Frauchen Andrea im Gespräch. Langsam und leise kletterte Beppo die Stufen hinab. Welch ein Glück ! Die Haustür ins Freie war auch offen. Er flitzte hinaus und horchte. Das Gebell war verstummt. Nun vertraute er auf seine Nase. Einen schwachen Geruch vom Franz konnte er noch wahrnehmen. Er bog an der Ecke rechts ab und konnte Franz und dessen Herrchen ein paar Meter vor ihm sehen. Es lag nur eine Straße zwischen ihnen. Schnell rannte er zur Straße und stoppte.

Und obwohl er alleine war, dachte er daran nach den fahrenden Autos, in beiden Richtungen, zu schauen. Das hatte ihm sein Frauchen Andrea beigebracht. Sie war ganz stolz darauf und er mußte es immer wieder aufs Neue den anderen Menschen zeigen, daß er nach links und rechts schaute. Wenn sie es zu oft von ihm einforderte, dann blieb er stur bis er Leckerlis dafür bekam. Wie blöd, jetzt hielt gerade ein großes Auto vor ihm auf der Straße. Er mußte warten, bis es wieder anfuhr. Er vergewisserte sich nochmal, daß kein Auto kam. Dann sauste er Franz nach.

Plötzlich stellte sich ein großer Hund, ein Dobermann in den Weg. Beppo nutzte die Höhe des Dobermanns, und rannte einfach zwischen seinen Beinen hindurch und kläffte ihn an. Der Dobermann hörte auf zu bellen und schaute ihm verblüfft nach. Da sah er Franz wieder sie. Er pieselte gerade auf einem Grasstreifen seitlich vom Gehweg. Er bellte und hatte ihn fast schon erreicht, da nahm er den Duft von Würstchen wahr. Beppo hielt auf der Höhe eines Imbiss an. Und der Wurstverkäufer erkannte ihn sofort wieder. Es gibt nicht viele Mischlingshunde mit einem solch kuschligen weißem Fell, das die Menschen anlockte ihn zu streicheln. „Wo ist denn dein Frauchen, Beppo !“ Beppo riß sein Maul auf und wollte schon anfangen zu bellen. Bis ihm einfiel, daß der Wurstverkäufer ihn ja gar nicht verstand ! Er warf ihm, auch ohne das Beisein von Andrea, ein Stück Wurst, getaucht in Ketchup, zu. Beppo fing es gekonnt auf, und verschlang es, obwohl es noch sehr warm war.

Dann fiel ihm Franz wieder ein. Dieser war gar nicht mit seinem Herrchen weitergelaufen ! Er saß nur ein kurzes Stück weiter weg auf dem Boden und schaute zu ihm und bellte und wedelte mit dem Schwanz. Und sein Herrchen unterhielt sich mit einem Mann. Als dieser Mann zu ihm schaute, erkannte er ihn. Ooh, ooh, ooh, jetzt bekomme ich Ärger, dachte er. Das war sein Herrchen ! Doch er kam lächelnd auf ihn zu, verwuschelte ihn und nahm ihn auf den Arm. Und sagte: „Na, Beppo, du Ausreißer !“ „Gerade hat mich Andrea angerufen.“ „Sie hat dich schon vermißt und mich gebeten, auf meinem Weg nach Hause, nach dir zu schauen.“ „Und wie ich mir dachte, du bist in der Nähe des Wurststandes aufgehalten worden !“ Und wischte ihm mit einem Taschentuch die Ketchup-Reste weg.

Er lachte und setzte Beppo wieder auf den Boden ab, der im nächsten Moment wurde er auf den Rücken geworfen. Franz begrüßte ihn wild wedelnd und schleckte ihn ab. Sie gingen noch, mit ihren Herrchen, zu dem naheliegenden Park. Und Beppo und Franz jagten sich gegenseitig über die ganze Wiese, hin und her. Wälzten sich im Gras. Beschnupperten sich gegenseitig und all die Duftnoten, die im Park verteilt waren. Wie gut das roch ! Das war einfach wunderbar ! Jeder sollte einen besten Freund haben, fand Beppo, in seiner innewohnenden Hundeweisheit. Und genoß die Nähe, Spiel und Spaß mit Franz.

© Elli (Elke Strohmaier)

Bildquelle: Pinterest

Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

3 Kommentare zu „Beppo auf Abwegen (1)

    1. Guten Morgen, liebe Elke, das freut mich, daß dir meine Geschichte gefallen hat. Die Idee kam mir urplötzlich hoch ! Und dann mußte sie umgesetzt werden ! Es war einfach wieder Zeit für eine Geschichte … dir einen sonnigen, lichtvollen und friedlichen Sonntag, des drückt dich Elli !

      Gefällt 2 Personen

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