Das Wilde in mir – Die Begegnung im Wald – (2)

Der Dachshund machte ein murrendes Geräusch. Kam direkt auf mich zu und stieß mich, mit der Schnauze, in die Flanke. Die Botschaft war eindeutig und als er weiterlief, schloß ich mich ihm an. (Ende Teil 1)

Ich schaute zu Stefan zurück und sah ihn in ein Gespräch mit dem Förster vertieft. Ich hörte noch, wie der Mann seinen Namen sagte. Er hieß Moritz. Wir liefen, fast lautlos, in den Wald hinein. Wie ungewohnt das war. Ohne mein Herrchen. Plötzlich wandte er sich gedanklich an mich: „Wie hältst du das aus ?“ „Was meinst du damit ?“, fragte ich. Janosch erwiderte: „Als braver Hund daheim, an der Seite deines Herrchens ?“ Ich wußte zuerst gar nicht was ich darauf erwidern sollte. Und dachte daran, wie Stefan sich die letzten Monate verändert hatte. Und was es mit mir machte. Und beschloss es ihm zu erzählen. Er hörte mir zu, bis ich am Ende angelangt war.

Eine Welle von Mitgefühl kam bei mir an. Er schien mich intuitiv zu begreifen und vieles zu erahnen. Und nicht nur mich, sondern auch mein Herrchen. Ein Menschenleser. Es berührte mich. Am liebsten hätte ich aufgejault. Er hakte nach: „Willst du so weitermachen wie bisher ?“ „Therapeut für dein Herrchen spielen ?“ Ich wurde innerlich unruhig und wäre am liebsten durch den Wald gerannt. Janosch spürte es und sagte nur: „Mach es !“ Zwickte mich und rannte los.

So schnell ich konnte rannte ich hinterher ! Er schlug Haken, wie ein Hase und ich versuchte es nachzumachen. Der Weg war von Baumwurzeln gesäumt, an denen ich immer wieder hängenblieb und ins Straucheln kam. Mehrmals mußte ich scharf abbremsen um den Zick-zack-Weg, den Janosch vorgab, folgen zu können. Schließlich erreichte ich Janosch und rempelte ihn an, kam aber dadurch aus dem Gleichgewicht, überschlug mich und landete rücklings im bunten herbstlichen Laub. Janosch war nur ein paar Meter von mir entfernt, wartete bis ich wieder auf die Pfoten kam, bellte mich an und rannte weiter.

Ich setzte ihm hinterher und spürte wie eine belebende Energie in mich einströmte. Ich mich wieder als Hund zu fühlen begann. Und zu bellen anfing. Janosch stimmte in das daraus entstehende Geheul mit ein. Unser wildes Hundekonzert durchtönte den Wald und löste die Stille ab, die hier zuvor geherrscht hatte. Das Vogelgezwitscher verstummte und wir fühlten uns wie die Herren des Waldes.

Ich nahm wahr wie die Mäuse sich schnell in ihre Schlupfwinkel zurückzogen. Die Eichhörnchen auf die Bäume kletterten. Wir scheuchten einen Fuchs auf, der wohl vor seiner Höhle gedöst hatte und sich mit einem Sprung zur Seite rettete. Die Gedanken an mein Herrchen verließen mich und ich überließ ihn dem Menschen Moritz. Sollte er doch für ihn da sein. Ich wollte Hund sein.

Als Janosch dann hechelnd stoppte und sich auf den feuchten Waldboden warf, machte ich es ihm gleich. Ich legte mich dicht neben ihm und gemeinsam ließen wir unseren Atem wieder zur Ruhe kommen. Ich schickte ein „Danke !“ an ihn ab und er erwiderte es mit einem Schwanzwedeln.

Janosch zeigte mir „seinen“ Wald. Seine Lieblingsstellen und Beobachtungspunkte. Und die Verstecke, wenn er, auch mal von Moritz, seinem Herrchen, nicht gefunden werden wollte. Sich zurückzog, um ganz mit der Natur zu verschmelzen. „Kriegst du nicht Ärger mit ihm, wenn du stundenlang weg bist ?“, wollte ich von ihm wissen. „Nein, Moritz vertraut mir und er respektiert es, daß ich viel Freiheit brauche !“, kam als Antwort bei mir an.

In mir rumorte es. Ich wollte auch wie Moritz leben. Mich einfach zurückziehen können, wenn es mir danach war. Und stundenlang hier in der Natur sein. Mit Janosch zusammen.

Es wurde dunkel und ich dachte wieder an mein Herrchen. Janosch nahm meinen Gedanken auf und sagte nur: „Moritz ist bei ihm.“ Und ich war wieder ganz bei mir. Langsam liefen wir durch den Wald zurück. Und ich wußte nur, in diesen Wald möchte ich bald wieder zurückkehren.

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© Elli (Elke Strohmaier)

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Bildquelle: pixabay

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Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

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