Das Wilde in mir. (Aus der Sicht eines Hundes)

Eine Geschichte …

Ich war der Erste von ihnen, der früh am Morgen, sein Zuhause verließ. Sich seines alten Lebens entledigte, weil ich nicht mehr derjenige war, wie vor 8 Monaten. Ein braver und wohlerzogener Hund, dessen Zentrum des Lebens sein Herrchen war. Dem ich diente und ihn, mit all meiner Liebe und Aufmerksamkeit, beglückte. Mein Name ist Benni. Ich bin ein Schäferhund Mischling.

Ich ging nicht, weil man mich, als Hund, schlecht behandelte. Nein, es fehlte mir nicht an Liebe, gutem Futter, genügend Auslauf oder Streicheleinheiten. Ich war diesem abhängigen, gemütlichen und unfreien Leben satt geworden und entwachsen. Und es gab Tage, an denen ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich jemals so leben konnte.

Alles hatte sich in dem Jahr verändert, als mein Herrchen plötzlich von daheim aus zu arbeiten begann. Er nannte es Homeoffice. Mein Herrchen, der sich Stefan nennt, unterschätzte mich, was meinen Einblick für das Leben und die Sorgen eines Menschen betraf. Die einst fröhliche Natur meines Menschen wandelte sich seit diesem Zeitpunkt ins Bekümmerte und Sorgenvolle. In Momente der Abwesenheit und der Angst. Ich konnte die Emotionen riechen.

Am Anfang erkannte ich ihn fast nicht, als er mit einer Maske im Gesicht die Wohnung betrat. Das Masken tragen im Haus gewöhnte ich ihm schnell ab, indem ich ihn ausdauernd anbellte. Bis mein Herrchen fragte, ob ich ihn nicht erkennen würde.

Zum ersten Mal, seit ich zu Stefan kam, hatte ich das Gefühl meine Hundeliebe konnte mein Herrchen nicht mehr erfreuen und ihn ausgleichen. Obwohl ich meist an seiner Seite weilte, gab es immer öfter Zeiträume in denen Stefan komplett abwesend war. In dem, was er gerade tat, innehielt und einen Punkt im Nirgendwo fixierte. Immer wieder gab es Situationen in denen er mich nicht wahrnahm. Vergaß, daß er einen Hund hatte, der gerade neben ihm saß, ihn anschaute und mit dem Schwanz wedelte. Und seine hundeeigene Bedürfnisse hatte.

Wenn ich dringend mein Geschäft verrichten mußte, war es oft notwendig, mit Hilfe meiner Zähne an seiner Jogginghose zu ziehen. Dann bekam er plötzlich wieder einen klaren Blick, schaute mich verwundert an und sagte dann meist: „Ach, du bist es Benni !“ Und erst wenn ich zur Türe lief, bemerkte Stefan, daß ich dringend raus mußte. Ein schlechtes Gewissen zeigte sich auf seinem Gesicht und er beeilte sich, seine Jacke anzuziehen und die Tür zu öffnen. Früher ging er immer mit einer Jeans bekleidet auf die Straße. Nun trug er von morgen bis abends einen Jogginganzug.

Ich stellte die traditionell gelebte Rolle des Hundes in Beziehung zum Menschen in Frage. War er als Hund nur dafür da, an der Seite seines Herrchens zu weilen und ihm fortwährende Zuneigung und Beweise für seine Liebe zu schenken ? Ihn zu bespaßen ? Oder hatte er auch das Recht für ein eigenbestimmtes Leben, indem Freiheit vor Sicherheit und gutes Futter und ein Dach über dem Kopf stand ?

Die Gegenwart meines Herrchens strengte mich immer mehr an. Ich spürte, wie ich meine hundeeigene Gelassenheit und Freude verlor.

Zu diesem Zeitpunkt traten der Förster und sein Hund in unser Leben. Dies war sowohl für mich, als auch für mein Herrchen ein Glücksfall. Aber nun, die Erzählung der Begegnung von Anfang an:

An einem Samstag spätnachmittags, es dunkelte schon, liefen wir unsere Lieblingsstrecke durch den Wald. Dabei fiel mir das hell beleuchtete Försterhäuschen auf, das in der Nähe des Waldweges lag. Es befand sich im Wald, umgeben von alten Eichen. Es war die letzten Monate unbewohnt gewesen. Stefan erzählte mir, daß der alte Förster gestorben war. Nun war es hell erleuchtet und ein Auto stand auf dem Parkplatz davor.

In dem Moment, als wir vorbeiliefen, kam ein großgewachsener Mann, mit Vollbart, die Treppen herunter und lief zu dem Wagen. Schon von weitem konnte konnte ich spüren und erriechen, daß es diesem Menschen gut ging. Er trug ein Lächeln auf seinem Gesicht und strahlte Lebensfreude aus. Erst jetzt bemerkte ich den Dachshund, der unten an der Treppe auf ihn gewartet hatte. Sein Blick ruhte auf uns. Er schien uns beobachtet zu haben.

Der Hund starrte mich an und stieß nur ein heißes „Wuff“ aus und lief zu seinem Herrchen. Der bärtige Mann, der uns nun wahrgenommen hatte, lud uns freundlich ein näher zu kommen. Als wir bei ihm angekommen waren, begrüßte er uns mit einem Lächeln und stellte sich als der neue Förster vor. Er schaute zu seinem Hund, sagte mit sanfter Stimme: „Janosch !“und machte dann eine Kopfbewegung zu mir.

Der Dachshund machte ein murrendes Geräusch. Kam direkt auf mich zu und stieß mich, mit der Schnauze, in die Flanke. Die Botschaft war eindeutig und als er weiterlief, schloß ich mich ihm an.

Teil 2 folgt …

© Elli (Elke Strohmaier)

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Bildquelle: pixabay

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Verfasst von

Herausfordernde Ereignisse im Leben eignen sich im besonderen Maße, um sich auf den Weg zu sich selbst auf-zu-machen. So war es bei mir vor 25 Jahren. Ich möchte all das nicht mehr missen, was ich erforscht, entdeckt und gefunden habe. Und jetzt, mitten auf dem Weg, eine tiefe Verbindung zu meinem wahren Sein habe. Mich selbst spüre und energetisch ausgleichen kann. Und so immer wieder oder länger in einen tiefen Frieden komme. Einfach bin ... und gleichzeitig zur bewußten Schöpferin meines Lebens werde !

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